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Ion Grigorescu

Ion Grigorescu wurde 1945 in Bukarest in Rumänien geboren, wo er auch lebt und arbeitet. Er zählt mit Geta Brătescu (geboren 1926) und Ana Lupas (geboren 1940) zu den wichtigen rumänischen Künstlern der Nachkriegszeit, deren Werk auch in der Zeit der kommunistischen Diktatur und Isolation eine Brücke zur internationalen Avantgarde schuf und bis in die Gegenwart hinein einen großen Einfluss auf die Entwicklung der rumänischen Kunst hat.

Legendär ist eine bedeutungsvolle Anekdote. Als er zum Abschluss der Akademie wie alle Studenten das obligatorische Porträt des Diktators Nicolae Ceausescu malen sollte, verlangte er, dass dieser ihm Modell sitzen müsse. Nur nach einer Fotografie zu malen, mache keinen Sinn. Bedeutend ist auch die Tatsache, dass Ion Grigorescu in den 1970er und 1980er Jahren über Filmkamera, Filmmaterial und Fotomaterial verfügte, in einer Zeit als jedes Film- und Fotomaterial nur auf Antrag für bestimmte staatstragende Aufgaben bezogen werden konnte. In subversiver Weise verwendete der Künstler dieses Material für künstlerische Studien. Er filmte heimlich den Alltag in der sozialistischen Diktatur. Machte private Aufnahmen bei esoterischen Praktiken wie Yogaübungen, performativen Aktionen oder beim Schlafen. Er fotografierte Freunde und Bekannte in Momenten des privaten Glücks und kolorierte die Fotografien mit Ölfarben. Er schuf Bildwelten und dokumentierte Situationen, die der radikalen Zensur unterlagen und die in keiner Weise den Forderungen der kommunistischen Ideale an die Künstler entsprachen.

Black and White

Auch die Serie der Zeichnungen 'Black and White', die zwischen 1971 und 1974 entstand ist ein Beispiel für die individuellen künstlerischen Fragestellungen, die Ion Grigorescu beschäftigten. Die Serie beinhaltet eine Reihe zeichnerischer Studien, die versuchen, die extremen Verkürzungen einer Person im Spiegelbild festzuhalten. Darüberhinau verwendete der Künstler die Zeichnungen, um daraus einen Animationsfilm 'ALB–NEGRU' zu fertigen. Der nur 140 sekündige Film ist fragmentarisch und wirkt im besten Sinne des Wortes wie das Werk eines Amateurs. Der Film zeigt die gleiche Technik, der verwischten und überarbeiteten Zeichnungen, die auch Jahrtehnte später William Kentridge für seine herausragenden Animationsfilme einsetzte. Er ist das Dokument eines künstlerischen Experiments und zählt damit zu den ganz wenigen unabhängigen Animationsfilmen aus der Zeit der Ceausescu Diktatur.

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