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Ciprian Mureşan

*1977 in Dej, Rumänien, lebt in Cluj-Napoca, Rumänien.

Communism Never Happened

Die Behauptung, dass der Kommunismus niemals stattfand, lässt sich in verschiedenen Bedeutungen lesen. Einmal mag sie die Tatsache reflektieren, dass die kommunistische, sozialistische Vergangenheit in den Ländern Osteuropas verdrängt wird. Die Zeit wird nicht aufgearbeitet. Noch lebt eine Generation, die verantwortlich war, die diese Zeit mitgestaltet hat und wichtige Funktionen bekleidete. Noch lebt eine Generation, die zumindest teilweise an die Ideale und Ziele geglaubt haben mag und noch ist es gerade die jetzt aktive Generation der 40- bis 60- jährigen, die ihre Kindheit, Schulzeit und Ausbildung in der sozialistisch geprägten Gesellschaft erfahren haben.
Dann mag die Behauptung auch mit dem Ansatz spielen, dass die gesellschaftlichen Versuche in den sozialistischen Volksrepubliken keineswegs dem Ideal einer kommunistischen Gesellschaft entsprachen oder sich auf dem Weg dahin recht schnell in Parteidiktaturen mit totaler staatlicher Überwachung pervertiert haben.
Allerdings gibt es Dokumente aus der Zeit, zu denen auch die Schallplatten gehören, aus denen die Buchstaben des Textes geschnitten wurden. Auf den Tonträgern sind Aufnahmen mit patriotischen, sozialistischen Liedern, ermunternder Folklore oder der Reden des Diktators Nicolae Ceaușescu (1918–1989).

Piero della Francesca, Meridiane Publisher, Bucharest 1981

Mit feinem Bleistiftstrich hat Ciprian Mureşan die 88 Seiten einer Publikation über den Künstler der Frührenaissance Piero della Francesca mitsamt allen Texten nachgezeichnet. Was zunächst absurd anmutet, entspricht im gewissen Sinne einer klassischen, traditionellen Ausbildung zum Künstler, nämlich die großen Meister zu kopieren. In Ermangelung der Originale greift man zurück auf zweitrangige Kopien und Drucke. Ciprian Muresan geht so weit, dass er keinen Unterschied ausmachen kann, zwischen Text und Bild. Er kopiert einfach das gesamte Buch. Mit diesem konzeptuellen Ansatz, der durchaus eine skeptische Komponente über die Lage der Kunst enthalten mag, gelingt ihm zweierlei. Er bewahrt sich die Freude am Prozess des Zeichnens als elementare, künstlerische Reflexion und thematisiert zugleich die Absurdität dieser Tätigkeit.

Palimpsest, Artforum September 1990

'Palimpset, Artforum September 1990' ist eine Zeichnung aus der 15-teiligen Serie Palimpset des  rumänischen Künstlers Ciprian Mureşan. Es handelt sich um Kompositionen, die durch die Überlagerung einzelner Zeichnungen von Kunstreproduktionen entstehen. Die kopierten Bilder entstammen Werbeanzeigen des internationalen Kunstmagazins Artforum, die auf aktuelle Kunstausstellungen hinweisen und so eine mentale Landkarte des internationalen Kunstgeschehens abbilden. 

Auf diese Art und Weise rekonstruiert der Künstler eine Geschichte der zeitgenössischen Kunst, die noch nicht geschrieben wurde und fügt eine weitere Ebene der Vermittlung zwischen Betrachter und originalem Kunstwerk ein. Die Vorgehensweise des Künstlers, aus einer ehemaligen Werbeanzeige ein originäres Kunstwerk zu erschaffen, setzt die Diskussion um Original und Reproduktion in ein neues Licht. Sie wirft auch einen anderen Blick auf die beworbenen Ereignisse, schafft einen neuen Kontext, verbindet sie präzise mit ihrem Ort, der Zeit und ihrer Präsentation. Zugleich verweist der Künstler mit dem Medium der Zeichnung auf den historischen Kontext, als klassisches Lehrinstrument für die Kunstgeschichte und als Möglichkeit sich die Fähigkeiten alter Meister anzueignen.

Untitled (shoelace)

Zu den bei Weitem unterschätzten Kulturtechniken gehört das Binden einer Schleife. Für die kleine Videoarbeit Untitled hat Ciprian Mureşan seinen Sohn beim Binden der Schuhschleifen aufgenommen, als dieser sich gerade zum ersten Mal in der Lage sah, diese Herausforderung selbst zu meistern.

Untitled (shoelace)
2006
1 Kanal Videoprojektion, Farbe, Sound, Laufzeit 03'01"
Edition 3/5 + 2 AP
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