schließen Menu

Vlad Nancã

*1979 in Bukarest, Rumänien, lebt in Bukarest.

Vlad Nancă wurde zehn Jahre vor der Revolution gegen den Diktator Nicolae Ceauşescu, in Bukarest geboren und studierte dort an der Universität der Künste. Der Künstler ist engagiert in sozialen Netzen, um ein breites Forum für die zeitgenössische rumänische Kunst zu schaffen. Das weitverzweigte Netzwerk um den Blog http://bukresh.blogspot.com beinhaltet viele Beiträge von Vlad Nancă. Er war Mitbegründer von 2020, einer Internet-Community, die von 2003 bis 2008 aktiv war und Bukarest als Epizentrum der zeitgenössischen Kunst für das Jahr 2020 propagierte. Auf dieser Website beschreibt er sich selbst mit einer gesunden Portion Humor: „Highly praised family man. 2020 procreator and art provocateur, pushing us into the unsettling ways of the future.“ Eine weitere Website, http://made-in-romania.blogspot.de, dokumentiert die rasanten Veränderungen im Stadtbild von Bukarest. Die zeitgenössische Kunst spielt in vielen Ländern des ehemaligen Ostblocks eine zentrale Rolle bei der Herausbildung gesellschaftlicher Strukturen, die freie Meinungsäußerung ermöglichen und diese in einen demokratischen Prozess integrieren. Viele jüngere Künstler haben die realsozialistische Vergangenheit als Jugendliche als Welt ihrer Eltern erlebt, die dann in wenigen Monaten zugrunde ging und abgeschafft wurde. Den daraus resultierenden komplexen Erneuerungsprozess, das Erlernen neuer Werte und neuer Verhaltensweisen, das Verstehen der Strukturen und Prozesse freier Marktwirtschaft und die Abwägung gegenüber den Werten der Elterngeneration wird von vielen Künstlern thematisiert.

Bucket I

Alltagsgegenstände werden zweckentfremdet und einer neuen Bestimmung und Umgebung zugeführt. So werden Eimer beispielweise zu Blumentöpfen oder Pflanzenbehältern. Mit seinen Buckets führt Vlad Nanca die Idee des Readymades auf spielerische Art weiter fort. Gleichzeitig dokumentiert er eines der hartnäckisten Überbleibsel aus der sozialistischen Zeit – die unzähligen Topfpflanzen, die nach wie vor in den Treppenhäusern und Amtsstuben liebevoll gepflegt werden.

Flower Pots

Es ist nicht immer, was es zu sein scheint. Vlad Nancas Blumentöpfe ähneln den Behältern von Joghurt und Frischkäse oder ähnlichen Produkten. Wer würde vermuten, dass diese Töpfe aus Keramik und die Logos alle handbemalt sind? Dass jeder Topf Ergebnis perfekter Handwerkskunst ist und dadurch zu einem äußerst fragilen Objekt wird. Der Künstler spielt mit unserer Wahrnehmung und stellt das Prinzip des Readymades auf den Kopf. 

Nicht immer ist das, was es zu sein scheint. Dieser künstlerischen Strategie bedient sich Vlad Nanca in seinen 'Flower Pots'. Daneben spiegeln die kleinen Blumentöpfe die Veränderungen in der Wirtschafts- und Warenwelt. Jeder Topf gibt die Werbung einer Marke wieder, die Smantana, eine Art Schmand oder Frischkäse, anbieten. In sozialistischen Zeiten gab es einfach nur Smantana.

Dacia, 30 Years of Social History

Der ‚Volkswagen‘ Rumäniens war der Dacia 1300. Der Wagen prägt auch über ein Jahrzehnt nach der Revolution 1989 gegen Ceaușescu das Stadtbild von Bukarest. Mit der Distanzierung Rumäniens in den 1960er Jahren von der führenden Rolle der kommunistischen Partei der Sowjetunion, der Weigerung 1968, Truppen zur Unterstützung des Warschauer Pakts zur Niederwerfung der Aufstände des Prager Frühlings zu entsenden, fand Rumänien Freunde in der westlichen Welt. 1967 hatte bereits die BRD diplomatische Beziehungen aufgenommen. 1969 kam es zu einer Kooperation des rumänischen Staats und der französischen Firma Renault und die Autoproduktion des Dacia 1300 wurde in Rumänien begonnen und nach wenigen Jahren in Eigenregie fortgeführt. Bis zur Produktionseinstellung am 21. Juli 2004 wurde der Wagen in kaum veränderter Ausstattung fast zwei Millionen Mal ausgeliefert. Der Dacia 1300 wurde der ‚Volkswagen‘ Rumäniens. Der Wagen hat das Bild rumänischer Städte und vieler anderer Städte in Osteuropa maßgeblich mitbestimmt und ist in seinen minimalen Anpassungen von Technik und Design über so einen langen Zeitraum auch Ausdruck sozialistischer Planwirtschaft und Stagnation.
Der Dacia 1300 prägte auch über ein Jahrzehnt nach der Revolution 1989 gegen Ceaușescu wieterhin das Stadtbild von Bukarest. Vlad Nancă ist diesem Phänomen nachgegangen und hat 2003 Dutzende von Dacia 1300 fotografisch im Stadtbild von Bukarest dokumentiert.

Datenschutz
Art Collection Telekom Newsletter