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Paulina Ołowska

*1976 in Gdańsk, Polen, lebt in Raba Niżna, Polen

Screen (Paravan)

Eine Gruppe von Frauen steht zusammen, die eher von den Umrissen her, wie Schemen erkennbar sind. Zum Teil spiegeln wir uns in ihnen. Zum Teil sind sie Träger von Informationen. Nicht Werbeträger für die Produkte und Marken, die sie tragen, sondern mit Verweisen auf das Landespuppentheater im slowakischen Banská Bystrica oder das berühmte Teatra Groteska in Krakau, das seit 1945 zu einem Ort der künstlerischen Avantgarde in Polen wurde.

Shadows Madly Alive I–V

In der fünfteiligen Serie 'Shadows Madly Alive I-V', wendet sich Paulina Olowska dem Puppentheater zu. Die Künstlerin unternahm Reisen zum Museo Internazionale delle Marionette in Palermo, Sizilien, sowie in das Institut International de la Marionnette in Charleville-Mézières in Frankreich, um sich ausgiebiger mit der Thematik auseinanderzusetzen. Sie recherchierte in den Archiven polnischer Marionettentheater wie dem Teatr Groteska in Krakau, dem Teatr Baj in Warschau, dem Teatr Lalek Banialuka in Bielsko-Biala aber auch dem wohl bekanntesten Archiv Cricoteka des polnischen Künstlers Tadeusz Kantor (1915–1990).

In den kleinen Collagen bezieht sie sich auf eine ganze Reihe von großen Puppenspielerinnen und Spielern aus der Geschichte dieser grandiosen Erzählkunst. Etwa auf die spanische Marionettenspielerin Herta Frankel (1913–1996), neben Emmy Hennings, Margo Rose, Lotte Pritzel und Maria Signorelli ist sie eine der wichtigen Künsterlinnen des Genres. In den 1960er Jahren galt Frankel mit ihren Marionetten als Pionierin des Kinderprogramms im spanischen Fernsehen. In ihren Werken beschäftigt sich Paulina Olowska oftmals mit in Vergessenheit geratenen Künstlerinnen.

Crossword Puzzle with Lady in Black Coat

Das wöchentliche Magazin der Süddeutschen Zeitung wird einmal im Jahr in der 46. Woche von einer internationalen zeitgenössischen Künstlerin oder einem Künstler gestaltet. Für die Ausgabe vom Freitag 13. November 2009 war Paulina Ołowska verantwortlich. Parallel zum Erscheinen der Edition 46 wurde auch eine Ausstellung mit Werken der Künstlerin in der Pinakothek der Moderne eröffnet, 13. November 2009–14. Februar 2010.

In der Werkgruppe für die Edition und die Ausstellung konzentrierte sich Paulina Ołowska auf eine Neu-Inszenierung historischer Fakten und kunsthistorischer Bezüge. Sie integrierte Werke aus der klassischen Moderne aus den Sammlungsbeständen der Pinakothek in ihre Installation und zitierte Details aus den Werken in Collagen und Gemälden.

Für das große Gemälde 'Crossworld Puzzle with Lady in Black Coat' greift sie auf die 'Frau im Schwarzen Mantel' aus dem Jahre 1927 von George Grosz (1893–1956) zurück. Es ist eines der wenigen Gemälde des Künstlers, der sonst eher für seine drastischen und provokanten Darstellungen der Dekadenz der Herrschenden in der Weimarer Zeit bekannt ist, das eine Person des Alltags zeigt. Diese unbekannte Passantin versetzt Paulina Ołowska in die Rasterstruktur aus Senkrechten und Waagerechten, die Rosalind Krauss in ihrem Essay 'Grids' als Grundelement der Moderne in Architektur und bildender Kunst herausarbeitet. So verweist das Gemälde von Paulina Ołowska einmal auf die Rolle der Frau als leicht zu übersehende Passantin bei der Konstruktion der geschichtlichen Fakten und darüber hinaus auch darauf, dass die Konstruktion der Moderne den Alltagsmenschen aus dem Auge verloren hatte, eben den, der im Kreuzworträtsel eine sinnvolle Entspannung finden mag.

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