schließen Menu

Dan Perjovschi

*1961 in Sibiu, Rumänien, lebt in Sibiu.

Der Sturz des Ceaușescu-Regimes in Rumänien 1989 stellte eine bis dahin total überwachte und kontrollierte Gesellschaft vor die ungeheure Herausforderung, Rede- und Meinungsfreiheit wieder neu zu erlernen und demokratisch auszubalancieren. Die bildende Kunst begleitete diesen Aufbruch und die Bemühungen, eine neue Gesellschaft aufzubauen, mit Aktionen und Performances. Neben einer älteren Generation von Künstlern, die bis dahin isoliert vom öffentlichen Leben in ihren privaten Wohnungen und für einen kleinen Freundeskreis gearbeitet hatten, wie Ion Grigorescu, Constantin Flondor oder Teodor Graur, etablierte sich eine junge Avantgarde, zu der auch das Künstlerehepaar Lia Perjovschi und Dan Perjovschi zählten.

Noch als Kind, im Alter von zehn Jahren, wurde Dan Perjovschi wegen seiner ungewöhnlichen künstlerischen Begabung von der rumänischen Erziehungsbehörde auf eine spezielle Schule geschickt, um früh das klassische Handwerkszeug bildender Kunst zu erlernen. Sein großes Geschick, mit wenigen Strichen eine Situation zu erfassen, setzte er in dieser Zeit eher für Karikaturen seiner Lehrer ein. Die frühe Zeichnung Urzeala stammt noch aus der Zeit vor der Revolution.

Action Tree

Dan Perjovschi hat weltweit in den wichtigsten Institutionen ausgestellt. Seine vergänglichen Zeichnungen auf die Wände der Ausstellungsräume speisen sich aus vielen Notizbüchern, die über die Jahre eine Art Archiv ergeben, auf das der Künstler zurückgreifen kann. Darüber hinaus entstehen zu vielen Projekten neue Skizzenbücher.
Zwei der Aktionen von Dan Perjovschi aus dieser vor-revolutionären Zeit Ende der 1980er Jahre sind in den Fotosequenzen von 'Action Tree' und 'Action Flag' dokumentiert.

Dan Perjovschi: "Die sieben Fotografien dokumentieren eine 'Aktion' aus einer Serie von Aktivitäten durchgeführt für die Fotokamera im Jahre 1988. Es war die Zeit des Kommunismus und alles (Buch, Ausstellung, Film) unterlag der Zensur. Ausnahmen galten nur für die Aktivitäten, die draußen (Natur) oder drinnen (Apartment) geschahen. Das war der Grund, warum ich und eine Reihe anderer Künstler eine Gruppe bildeten 'Atelier 35 Oradea' (ein Atelier mit Künstlern unter 35 Jahren), eine Jungendabteilung der alleinigen 'Union der Künstler'.
Die Jugendabteilungen waren vor allem in den Städten des westlichen Teils von Rumänien sehr aktiv und in einigen Fällen (so etwa in der Stadt Oradea, in der ich von 1985 bis 1990 lebte) experimentell.
Zusammen mit anderen Künstlern realisierte ich drei, vier Aktionen unter dem Oberbegriff  'Peace Times'. Meine Aktionen trugen den Titel 'Peace Times - Fish Eye'. Im Allgemeinen bestanden sie aus einer fotografischen Sequenz von von vier bis zehn Aufnahmen einer einfachen Geste: Flagge, Papierflagge oder das Schreiben von Wörtern auf die Wände der Ruinen alter Bunker, mit einer Gasmaske spielen. Der Ort dieser Aktionen ist in der Nähe von Oradea (der Stadt im Westen von Rumänien) und nutzte einige alte Bunkerruinen (die pompöse Verteidigungslinie gegen die Ungarn)..."

The Low Tech in High Tech, The IFA Berlin Notebook 2012

Mit 'Chalk reality (digital flair)' ließ sich Dan Perjovschi auf ein weiteres Experiment ein, das auch in einem Interview dokumentiert wurde. Während der IFA 2012, sichtbar für Hunderte von Besuchern der Messe, zeichnete er mit weißer Kreide direkt auf die schwarze Wand des Standes der DTAG. 'The Low Tech in High Tech, The IFA Berlin Notebook 2012' ist der Titel des Skizzenbuchs, das Dan Perjovschi für dieses Projekt als Inspirationsquelle einsetzte.

 

Datenschutz
Art Collection Telekom Newsletter