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Gabriela Vanga

*1977 in Rumänien, lebt in Paris, Frankreich.

A Letter, A Word, A Story...

Auf den ersten Blick wirken die vier diagonal gesetzten Wandelemente wie eine Arbeit der konstruktiven Kunst. Jener streng gegenstandslosen Arbeitsweise aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die nicht von einer Abstraktion der sichtbaren Welt ausging, sondern eher nach mathematischen, physikalischen oder architektonischen Grundlagen suchte. Vier diagonal gesetzte Rechtecke in blauer Farbe, wobei der Farbauftrag nicht komplett deckend ist, sondern durchaus Spuren der malerischen Arbeit zeigt.

Hinter dieser sichtbaren Faktizität verbirgt sich ein Text. Die blaue Farbe reagiert auf Wärme und wird transparent, sobald sie eine bestimmte Temperatur angenommen hat. Durch Reiben mit dem Finger oder der Hand gibt sie kleine Teile ihres Geheimnisses preis, einen Buchstaben, ein Wort, einen ganzen Satz. Die auf Wärme reagierende Farbe leistet Widerstand. Gegenüber der schnellen Verfügbarkeit der Informationen in unserer vernetzten Welt findet hier eine Entschleunigung statt. Bei jedem Versuch, einen Teil des verborgenen Texts freizulegen, werden nur wenige Buchstaben, selten ein ganzes Wort sichtbar. Nie wird es gelingen, den ganzen Text lesbar zu machen.

Kunstwerke sind häufig nur visuell wahrnehmbar. Sie sind kein Ersatz und keine Illustration für einen Text. Hinter ihnen steht aber die nicht ablesbare Gedankenwelt der Künstlerin oder des Künstlers. Mit unseren Versuchen, das Kunstwerk in einen Text zu verwandeln, sind wir bemüht, diese Gedankenwelt zu lesen. Die Bildwelt in Sprache zu übersetzen. Das kann nie vollständig und abschließend geschehen. Das Kunstwerk, das beanspruchen kann über Jahrzehnte zu bestehen und uns zu faszinieren, behält immer einen Teil seines Geheimnisses.

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